NEUE PERSPEKTIVEN
- Thomas Bergmann

- 6. Okt. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Kapitel 5:
Fortsetzung der Geschichte von Max und seinem Weg zum professionellen Forstmaschinenführer. Die Geschichte dient zur Vorstellung des Programms von Forstmaschinenführer.net mit allen Hintergründen und Möglichkeiten.
Die EINE SACHE
„Sie sehen also, dass aus einer Vielzahl von möglichen Ansatzpunkten ihrer persönlichen Situation nun der Bereich ARBEIT und ganz speziell die Arbeitsorganisation für Sie im Fokus steht“, sagte Herr Neumann.
„Nun machen wir das gleiche wie vorhin noch einmal“, fuhr er fort, „nur dass Sie mir nun möglichst genau alles über ihre tägliche Arbeit erzählen.“
„In Ordnung!“ sagte ich, nun voller Neugier darüber, was er aus dem Gesagten herauspicken würde. Also erzählte ich ihm alles, was mir den ganzen Tag über begegnete: Wie ich morgens zur Arbeit fuhr, was ich mitnahm, wie und mit welchen Mitteln ich arbeitete, mit wem ich Kontakt hatte, wie ich häufig mit fehlenden Dingen oder Informationen zu kämpfen hatte und wie meine Kollegen und mein Chef damit umgingen.

Herr Neumann hatte eine leere Seite auf dem Flipchart aufgeschlagen und schrieb wie erwartet wieder einige Stichpunkte auf. Als ich fertig war nahm ich einen großen Schluck Wasser, und war froh, dass ich mal ganz offen über alles reden konnte, was mich so beschäftigte.
„Nun haben wir wieder eine unsortierte Liste mit Punkten, die Ihnen wichtig sind und verändert werden sollten“, sagte Herr Neumann.
Ich schaute mir auch diese Punkte an:
• Fehlende oder unzureichende Arbeitsaufträge
• Nur teilweise gute Karten der Flächen verfügbar
• Ich bekomme keine brauchbare Auftragsplanung
• Ständiger Termindruck aufgrund von Verzögerungen
• Unzureichende Informationen vom Harvester über Holz und Fläche
• Holzablage des Harvesters verbesserungswürdig
• Ausfallzeiten durch zu wenig Teile und Materialien vor Ort
• Zu viele Wartezeiten durch Umsetzungen
• Unklare Nutzbarkeit der Infrastruktur (Service, Teile, Tieflader, Übernachtung)
• Sortiervorgaben der Sortimente oft unklar
• Unklare Poltervorgaben
• Rückegassen teilweise zu eng oder ohne Quergasse
• Unnötige Rückewege
„Das ist eine gute Zusammenfassung! Jetzt soll ich wieder sortieren?“, fragte ich voller Vorfreude.
„Stimmt!“ sagte Herr Neumann, „aber versuchen Sie bitte eine möglichst genaue IST-FOLGE-VON Reihenfolge zu finden. So kommen wir dann schnell einen Schritt weiter. Ich gehe kurz ins Büro nach nebenan und bin in 10 Minuten wieder zurück.“
Herr Neumann öffnete die Tür und verließ den Besprechungsraum. Ich stand auf und trat wieder ans Flipchart. Nach einigem Überlegen und Durchspielen der Situationen erstellte ich diese Reihenfolge und teilte die Punkte in 3 Gruppen auf:
1. Ich bekomme keine brauchbare Auftragsplanung
▼
2. Fehlende oder unzureichende Arbeitsaufträge
▼
3. Sortiervorgaben der Sortimente oft unklar
4. Unklare Poltervorgaben
5. Nur teilweise gute Karten der Flächen verfügbar
_________________________________________________________
6. Unzureichende Informationen vom Harvester über Holz und Fläche
7. Holzablage des Harvesters verbesserungswürdig
8. Rückegassen teilweise zu eng oder ohne Quergasse
9. Unnötige Rückewege
_________________________________________________________
10. Unklare Nutzbarkeit der Infrastruktur (Service, Teile, Tieflader, Übernachtung)
11. Zu viele Wartezeiten durch Umsetzungen
12. Ausfallzeiten durch zu wenig Teile und Materialien vor Ort
▼▼▼
Folge aus allem:
13. Ständiger Termindruck aufgrund von Verzögerungen

Gerade als ich fertig war, kam Herr Neumann zurück und stellte sich neben mich vor das Flipchart.
„Das sieht doch schon sehr gut aus! Besonders ihre Einteilung in Gruppen finde ich sehr gut!“, lobte er mich. „Natürlich ist nicht alles direkt einer Folge von einem anderen Punkt zuzuordnen und manche Dinge sind gleichzeitig eine Folge von vorgelagerten Punkten. Aber so bekommt man auch mal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und wir haben nun eine weitere Spezifizierung Ihres ersten Schrittes zur Professionalität!“
Ich freute mich über das Lob und wurde von Minute zu Minute zuversichtlicher eine gute Lösung für meine Situation zu finden.
Herr Neumann fragte: „Wie kommen Sie auf die Gruppen?“
„Die erste Gruppe betrifft den einzelnen Auftrag und Holger, die zweite Gruppe eigentlich nur meine Kollegen auf dem Harvester und die dritte Gruppe betrifft allgemeine nicht auftragsbezogene Dinge. Aber der Termindruck ist letztendlich eine Folge aus allem vorigen. Das alles ist mir beim Sortieren ganz deutlich geworden“, antwortete ich.
„Stimmt genau!“ sagte er und fuhr fort: „Nun brechen wir das Ganze wieder eine Ebene weiter runter und überlegen uns, wie Sie an eine brauchbare Auftragsplanung kommen können, um mit der ersten Gruppe zu beginnen. So kommen wir Ihrem ersten Schritt immer näher! Bitte schildern Sie mir doch mal, warum Sie einen Auftragsplan haben wollen und wie die Planung bei Ihnen im Unternehmen abläuft.“
Bevor ich antwortete, überlegte ich kurz und dachte über die Aufgabe nach. Dann begann ich: „Jedes Mal, wenn ich nach einer Planung frage, erhalte ich ausweichende Antworten von Holger. Dabei habe ich den Eindruck, dass er meint ich wäre neugierig und hält manche Angaben zurück um keine Betriebsinterna preis zu geben. Darüber bin enttäuscht über das fehlende Vertrauen mir gegenüber und hake auch nicht weiter nach. Die einzige Planung, die wir bekommen, ist immer erst ganz kurz vor dem Umsetzen eine Information über die nächste Fläche.
Dabei wäre eine etwas längere Vorplanung auch für mich günstig. So könnte man vorbereitende Maßnahmen wie Unterkunft suchen, Tieflader bestellen, private Termine organisieren usw. viel entspannter erledigen. Außerdem kann ich mir derzeit vorher keine Gedanken über die Arbeitsorganisation der nächsten Fläche machen, wie z.B. die aktuelle Sortierung klären, zu fragen oben spezielle Ausrüstung benötigt wird oder ob besondere Verhältnisse wie Hänge, Nässe, Publikum etc. zu berücksichtigen sind. Letztendlich ist aber das schlimmste, ständig das Gefühl zu haben irgendwo unvorbereitet beginnen zu müssen.“
„Das kann ich nachvollziehen. Und wie kommen Sie nun zu der Auftragsplanung?“ fragte er listig.
An seinem Tonfall konnte ich erkennen, dass er eine bestimmte Antwort erwartete. Aber die Blöße wollte ich mir nicht geben und überlegte genau, bevor ich diplomatisch antwortete: „Heute Morgen hätte ich gesagt, dass ich gar nichts tun kann und alles Holger liegt. Doch nun komme ich ins Grübeln und denke, dass es für mich doch etwas zu tun gibt. Aber was das wäre kann ich gerade nicht sagen.“

Herr Neumann lachte und scherzte: „Da sind Sie aber sehr vorsichtig geworden, Herr Müller!“
„Aber Sie haben recht,“ fuhr er fort, „es gibt tatsächlich genug für Sie zu tun. Wie wäre es, wenn wir einen kurzen Spaziergang machen und die Situation an der frischen Luft besprechen?“
Das fand ich eine gute Idee und stimmte zu. Da Herr Neumann am Rand eines kleinen Dorfes wohnte, konnte er jederzeit ins Grüne gehen und frische Luft tanken. Wir gingen das kurze Stück vor die Haustür und betraten einen Weg, der hinter dem Haus über eine kleine Wiese in einen angrenzenden Wald führte.
„Wenn es Dinge gibt, die ich von anderen zu tun oder zu bekommen erwarte, ist es immer am besten sich zuerst in die Lage des anderen zu versetzen,“ begann Herr Neumann das Gespräch und fragte: „Wie sieht denn der Alltag von Holger aus?“
„Holger hat natürlich auch viel zu tun und sitzt nicht in der Küche rum. Er muss neue Aufträge finden, Holz aufmessen und verkaufen, die Buchhaltung organisieren und natürlich auch Bestellungen und Einkäufe für die Maschinen und uns erledigen. Gleichzeitig hat er auch mit konkurrierenden Unternehmen zu tun und will sich durch eigene Informationen und Kontakte einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Und zuletzt hat er sicher auch irgendeine Auftragsplanung, mit der er arbeitet. Aber in welcher Form die besteht kann ich nicht sagen,“ antwortete ich.
Er antwortete: „Versetzen Sie sich jetzt mal in Holger hinein und denken an die Auftragsplanung. Was müsste geschehen, um seinen Mitarbeitern diese Informationen zu geben?“
„Nun, ich hätte dann wohl zwei Probleme: erstens die Geheimhaltung gegenüber Unternehmensfremden Personen und zweitens die Form der Weitergabe. Denn es gibt bei uns meines Wissens kein Formular oder eine Übersicht dafür. Und Holger ist definitiv kein Computerfachmann, um sich so etwas zu erstellen,“ überlegte ich laut. „Gleichzeitig ist sich Holger der Notwendigkeit wohl auch nicht bewusst und denkt auch nicht weiter darüber nach,“ endete ich.
Herr Neumann stimmte zu und antwortete: „Ich denke, dass trifft ziemlich genau zu. Also müssen Sie Holger erstens eine vernünftige und klare Begründung liefern und zweitens machen Sie ihm am besten gleich einen Vorschlag in welcher Form das zu machen wäre. Und bieten Sie ihm unbedingt ihre Hilfe dabei an und geben Sie ihm das Gefühl diese Sache ist für Sie das Wichtigste überhaupt.“
„Aber ich habe doch keine Ahnung wie ich das Begründen soll und eine Planung kann ich auch nicht so einfach aufstellen,“ erwiderte ich irritiert.
Er lachte und sagte: „Dafür haben Sie ja mich! Keine Sorge, wir werden das gemeinsam vorbereiten und auch einen Vorschlag für eine maschinenführergerechte Auftragsplanung auf Papier und als Excelformular vorbereiten.“
Darüber war ich erleichtert und freute mich auf die weiteren Gespräche mit Herrn Neumann.
„Ich hätte nicht gedacht in so kurzer Zeit eine so klare und einfache Aufgabenstellung zu bekommen. Aus den ganzen Ideen, Problemen und Aufgaben, die ich im Kopf hatte, ist nun eine einzige übriggeblieben,“ antwortete ich. „Dazu war der Punkt der Auftragsplanung in meinen Augen unmöglich zu lösen und hatte einen ganz anderen Stellenwert. Nun erscheint er plötzlich sehr leicht machbar zu sein und ganz logisch an seinem Platz in der Liste zu stehen.“
Er antwortete: „Es freut mich sehr, wenn ich Ihnen schon so weit helfen konnte. Natürlich laufen die anderen Dinge vorerst weiterhin nicht optimal, aber Sie schaffen nun die Basis für Veränderungen. Mit jedem weiteren Schritt werden die Veränderungen deutlicher und auch schneller sichtbar, da vieles dann ineinandergreift und auf einem festen Fundament steht.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich wäre am liebsten sofort nach Hause gefahren, um Anja alles zu erzählen. Herr Neumann und ich gingen noch eine halbe Stunde spazieren und unterhielten uns über die Vorbereitung für mein nächstes Gespräch mit Holger.
Ich hatte die EINE SACHE gefunden…
Kapitel 6: Veränderungen
Fortsetzung folgt…




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