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AUFGABEN UND PFLICHTEN

Kapitel 6:

Fortsetzung der Geschichte von Max und seinem Weg zum professionellen Forstmaschinenführer. Die Geschichte dient zur Vorstellung des Programms von Forstmaschinenführer.net mit allen Hintergründen und Möglichkeiten.


Veränderungen

Am späten Freitagabend war ich von Herrn Neumann nach Hause zurückgekehrt. Er hatte mir verschiedene Unterlagen mitgegeben, um mich für das nächste Gespräch mit Holger vorzubereiten. Am Montagmorgen wollten wir uns zusammensetzen.


Natürlich war auch Anja neugierig auf das was ich bei Herrn Neumann erlebt hatte. Wir setzten uns im Wohnzimmer auf unsere Couch und ich erzählte ihr alles so genau wie möglich. „Mensch Max“, sagte sie, „das klingt doch alles richtig gut. Ich hoffe das Holger das alles auch so sieht und dich dabei weiter unterstützt.“

Ich antwortete: „Das wird er schon tun. Er hatte mich ja schließlich mehr oder weniger ermuntert zu Herrn Neumann zu fahren und mir für den Tag frei gegeben.“

Das Wochenende über überlegte ich hin und her, wie ich Holger das Erfahrene am besten beibringen könnte und war mir plötzlich nicht mehr sicher alles noch richtig wiedergeben zu können. Aber das war wohl nur Lampenfieber, denn eigentlich hatte ich alles gut verstanden.



Als ich am Montag in der Firma ankam, nahm Holger mich gleich in Empfang und fuhr mit mir zu meiner Maschine. Er wollte dort noch Holz aufmessen und später ans Sägewerk verkaufen.

„Okay Max,“ begann Holger, „nun erzähl mal was Herr Neumann dir alles erzählt hat. Ich bin doch einigermaßen neugierig darauf und wollte lieber hier draußen in Ruhe mit Dir reden als in der Firma ständig gestört zu werden.“

Über diese Einleitung war ich froh, da sie mir doch echte Unterstützungsbereitschaft signalisierte. „Bevor ich anfange,“ begann ich, „benötige ich etwas von dir.“

„Nanu?“ fragte Holger erstaunt. „Das fängt ja gut an!“ fuhr er augenzwinkernd fort.

„Keine Sorge Holger,“ antwortete ich ernst, „das wird für dich sicher kein Problem sein. Ich benötige zuerst eine detaillierte Aufgabenbeschreibung meines Jobs von dir. Also eine Art Stellenbeschreibung. Dazu habe ich mir meinen Laptop mitgenommen und werde alles notieren was Deiner Meinung nach zu meinem Job gehört.“


Nun wurde Holger nachdenklich und merkte, dass er das Ganze wohl doch nicht auf die leichte Schulter nehmen konnte. Zu dieser Einleitung hatte Herr Neumann mir geraten und konnte das Gespräch so gleich in die richtige Richtung leiten – Es wurde dadurch ernst genommen.

„Ich weiß zwar nicht wozu das gut sein soll, aber Herr Neumann wird wohl wissen was er tut,“ gab Holger zu. „Gut Max, dann zähle ich Dir meine Vorstellung deiner Aufgaben auf wir vergleichen das nachher mit deinen Notizen. Denn Du wirst ja sicher auch deine eigenen Ideen dazu haben.“

Die hatte ich in der Tat und merkte, dass Holger nun ganz bei der Sache war.

„Hauptsächlich besteht deine Arbeit natürlich darin Maschine zu fahren,“ begann Holger. Dann zählte er in Stichpunkten alles Weitere auf und gab mir zwischendurch immer wieder Zeit zum Tippen.


Ich setzte mich mit meinem Laptop auf einen Stubben, fing an zu schreiben und erhielt folgende Liste:

Die Aufgaben des Forwarderfahrers

• Selbständig Maschine fahren

• Bestmögliche Leistung erzielen

• Schonend und wirtschaftlich mit der Maschine umgehen

• Selbständig die Maschine warten

• Selbständig Pausen wegen Nässe oder anderen Umweltschäden einlegen

• Selbständig Kleinstreparaturen durchführen

• Selbständig Umsetzungen organisieren

• Selbständig Termine und Arbeitszeiten mit den Kunden abstimmen

• Selbständig Arbeitsstunden aufschreiben und dem Chef geben

• Kollegen ggfs. bei Reparaturen oder Umsetzungen unterstützen

• Selbständig vom Kunden einweisen lassen

• Ersatzteil- und Verbrauchsmaterialbestellungen zum Chef geben

• Arbeitsflächen sauber und ordentlich beenden und verlassen

• Selbständig Polterplätze und ordentliche Polter anlegen

• Sortimente sortenrein und reisigfrei sortieren


„Das war eigentlich alles was mir auf die Schnelle einfällt“, schloss Holger seine Aufzählung.

Ich antwortete grinsend: „Okay Holger, schön dass wir das mal schriftlich haben. Damit können wir schon mal arbeiten!“

Holger merkte, dass er irgendwie ins Fettnäpfchen getreten war und wurde etwas blass um die Nase.

Also fuhr ich augenzwinkernd fort: „Keine Sorge, das bleibt erstmal unter uns. Sonst bekommen meine Kollegen noch einen Schreck!“

„Das ist ja eine ganz schöne Liste von Aufgaben, die Du da zusammengetragen hast, Holger“, sagte ich schelmisch.



Nun kam der nächste Teil von Herrn Neumanns Plan: „Aber ist die Liste nicht etwas einseitig zu deinen Gunsten aufgestellt? Wenn ich so viele Aufgaben oder Pflichten habe, wo sind dann meine Rechte?“

Nun wurde Holger wirklich blass und blickte mich ratlos an. „Wie meinst Du das? Wieso deine Rechte?“ antwortete Holger erstaunt.

Ich erwiderte: „Nun, all die ganzen Aufgaben in dieser Liste sind letztlich deine Rechte. Du hast ein Recht darauf, dass ich das alles für dich tue, oder?

Also müsste ich doch im Umkehrschluss auch einige Rechte haben, die sich aus deinen Pflichten mir gegenüber ergeben.“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen“, antwortete Holger kleinlaut. „Aber es stimmt, wenn man es so betrachtet, hast Du völlig recht. Nur habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht.“


Um dies noch zu verdeutlichen, sagte ich: „Wir beide und alle unsere Kollegen haben doch das gleiche Ziel, wenn wir jeden Morgen losfahren: Wir wollen möglichst viel Geld verdienen - und dies so effizient wie möglich, um uns aus unserer Arbeit einen angenehmen Lebensstandard zu schaffen und genug Zeit für uns zu haben. Egal ob Unternehmer oder Arbeitnehmer, wir haben im Grunde die gleichen Wünsche.“

„Darum wäre es doch ungerecht, wenn die eine Seite nur dafür sorgen muss, dass es der anderen Seite gut geht und nichts, oder zumindest nicht genauso viel, zurückbekommt. So kann kein gesundes Unternehmen funktionieren und alle möglichen Probleme sind vorprogrammiert“, schloss ich und wurde richtig stolz darüber so einen Vortrag gehalten zu haben.


Ich fuhr im Sinne von Herrn Neumanns Anleitung fort und sagte: „Lass uns aus meinen Aufgaben doch einfach eine Wenn>Dann-Liste machen. Das ist ganz einfach und wir setzen dazu vor jeden Punkt einfach ein Wenn und dahinter ein Dann.“

Holger überlegte und ich merkte, dass der Unternehmer in ihm wach wurde. Sicher fing er an zu überlegen und kalkulieren, ob ihm das ganze nun schaden oder nützen würde. Schließlich überwand er sich und sagte vorsichtig: „Gut, lass uns das machen. Mal sehen, wo das hinführt und welche Antworten wir daraus bekommen.“

Wir fingen an die Punkte in dieser Art und Weise zu betrachten und kamen so zu einer interessanten Übersicht:




Als wir fertig waren zeigte ich Holger die Liste. Er war im Laufe der Unterhaltung immer ruhiger geworden und ich hatte schon Angst seine Meinung zu der Schulung bei Herrn Neumann würde sich in Abneigung wandeln. Aber zum wiederholten Mal musste ich mich über Holger wundern und war froh so einen Chef zu haben.


„Mensch Max“, sagte Holger, „das bringt mich echt zum Nachdenken. Ich glaube es ist dringend Zeit mir mehr Gedanken über meine eigenen Aufgaben zu machen und Veränderungen im Unternehmen zu schaffen als immer nur Probleme zu lösen. Mir sind allein durch diese Fragestellungen schon einige Dinge klar geworden und ich will mich darüber gern weiter mit Dir und vielleicht auch Herrn Neumann unterhalten.“

„Anscheinend haben wir viel Potential verschwendet und könnten uns das Leben in vielen Dingen leichter machen. Wärst Du bereit mich dabei zu unterstützen?“ fragte Holger mich.


Nun war ich es der blass wurde und plötzlich weiche Knie bekam. ICH sollte IHM helfen Veränderungen zu schaffen?! Noch vor drei Tagen sah ich keine Möglichkeit auch nur die kleinste Veränderung in einem festgefahrenen System zu erhalten und nun hatte ich plötzlich alle Möglichkeiten etwas völlig Neues zu schaffen!


Die EINE SACHE war nun vorbereitet und konnte umgesetzt werden – Ich war bereit!


Kapitel 7: Beförderung

Fortsetzung folgt…



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